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St. HubSchBrs Köln-Poll 1878 e.V.

Geschichte der

St. Hubertus Schüztzengesellschaft Köln Poll e. V.

Schützenvereine sind Volksvereine und führen ihre Entstehungszeit zumeist bis ins tiefe Mittelalter zurück, wo aus dem Bedürfnis der Bürger, den oft von Mauern und Gräben entblößten Ort gegen den Ansturm feindlicher Heere zu schützen, die Gründung entsprang. So kommt es, daß so manche Schüztzengesellschaft heute auf eine 4-500-jährige Lebensdauer zurückblicken kann. Da die Beschirmung der Stadt Ehrenpflicht der Bürger war, gehörten die Mitglieder der Schüztzengesellschaft stets zu den ersten Bürgern der Stadt. In späteren Zeiten, als die stehenden Heere auftauchten, wurde der Zweck der Schü13envereine illusorisch. Aber man dachte nicht im Entferntesten an eine Auflösung, im Gegenteil man hielt an den alten Gebräuchen umso strenger fest. Zu diesen Bräuchen gehörte auch das Vogelschießen, bei dem alljährlich einmal der beste Schütze zum "Schützenkönig" ausgerufen wurde. So wandelte sich im Laufe der Zeit die Bürgerwehr in eine Gesellschaft um, die nach altem Brauche dem Schießsport huldigte.

Die St. Hubertus-Schützen-Gesellschaft Köln-Poll kann auf eine solche Lange Lebenszeit nicht zurückblicken, da die "Freiheit Deutz" zu deren Kirchspiel Poll früher gehörte, für Polls Sicherheit sorgen mußte.

Im August 1878 traten unter den Vorsitzen des Herrn Math. Opladen in Poll 29 Bürger zusammen, um dem edlen Schießsport eine dauernde Pflegestätte zu bereifen. Zur Gründung des Schützenvereins bedurfte es keiner langen Erörterung. Schon in der ersten Versammlung konnte sich der Verein konstituieren, der zum ersten Präsidenten Herrn Johann Mörs wählte. Die Statuten wurden sofort beim Bürgermeisteramte zu Kalk eingereicht und am 16. August 1878 von dem derzeitigen Bürgermeister Wiersberg. genehmigt.

Heinz Baum Platz Die neugegründete Schützen-Gesellschaft bezeichnete es als ihren Zweck, die Mitglieder "im Gebrauche der Waffen zu üben und zu erhalten zum Wohle für Kaiser, König und Vaterland."

Das erste Schützenfest fand in Anwesenheit des Bürgermeisters Wiersberg auf einem vom preußischen Fiskus gepachteten Schießstande am Poller Damm am 1. September 1878 statt. Die ersten drei Schüsse auf den Königsvogel zu Ehren des Landesherrn gab Herr Bürgermeister Wiersberg ab. Dann setzte das allgemeine Schießen ein, bei dem der Küster Wilhelm Paffendorf den besten Schuß auf den Ehrenvogel abgab, der ihm einen silbernen Stern als Auszeichnung einbrachte. Den Vogel selbst aber schoß Herr Peter Koller ab, der damit zum ersten Schützenkönig von Pol! avancierte. Unter begeisterten Hochrufen, geschmückt mit dem Königsorden und unter den Klängen der Nationalhymne wurde der neue König zum Schützenzelte geführt. Die feierliche Krönung des Königs und seiner Gemahlin fand am 8. September im Schützenzelt statt, an die sich der Krönungsball anschloß.

Die Schützenfeste der folgenden Jahre wurden mit dem Poller Kirmes und später, als Poll von Köln eingemeindet, an einem Sonntag im Sommer gefeiert. Der Präsident eröffnete nach einem alten Schützenbrauch das Fest mit einem Gebet zum Vereinspatron, damit er die Schützen vor Unglück bewahre. Zu Ehren des Landesherrn gab dann der alte Schützenkönig die ersten drei Schüsse auf den Königsvogel ab. Heute geschehen sie zu Ehren des Reichspräsidenten. Die glücklichen Schützen auf die Pfänder werden mit Orden dekoriert. Wer den Letzten Rest des Vogels herunter holt, ist für das kommende Jahr Schützenkönig. Der Schützenkönig stiftet zum Andenken an seine Regierungszeit ein silbernes Schild zur Schützenkette. Die Generalversammlung vom 2. März 1902 beschloß: Der Königsvogel wird mit sieben Pfändern hergestellt, auf welche, vom Rumpf abgesehen, auch inaktive Mitglieder schießen dürfen. Der Schützenkönig erhält aus der Kasse 15 Mark für das zu beschaffende Schild und einen Orden von 7 Mark. Auf den Kopf des Vogels soll ein Orden von 5 Mark gesetzt werden.

Das ein Schützenverein nicht ohne Fahne sein kann, war allen Mitgliedern klar. Eifrige Sammeltätigkeit brachte es dahin, daß schon am 4. Mai 1879 das Fahnenweihefest gefeiert werden konnte. Die Weihe der zweiten Fahne fand im Oktober 1908 statt. Alte wie neue Fahne zeigen auf grüner Seide das Bild des hl. Hubertus, des Vereinspatrons, in 3ägerkleidung auf der einen Seite und auf der andern zwei gekreuzte Gewehre, Hut, Horn und Lorbeer umgeben von dem Spruch: "Einigkeit macht stark".

Die Errichtung eines‚ neuen Schießstandes wurde bald notwendig. Im August 1884 genehmigte der damalige Bürgermeister von Kalk die Errichtung desselben auf einem vom preußischen Fiskus gepachteten Grundstücke beim Poller Damm. Beim Verkaufe der Ländereien der Geschwister Rolshoven erwarb der Verein im Jahre 1884 ein Stück Land, etwa ein Morgen groß, für einen neuen Schützenplatz, der im 3ahre 1910 für den Preis von 4.908 Mark in den Besitz der Stadt Köln überging. In der Folge errichtete man auf Westhover Gebiet, in der Nähe des Polier Fischerhauses einen neuen Hochstand, der heute noch benutzt wird. Als 1914 das große Unwetter über Europa hereinbrach, wurde auch die St. Hubertus-Schützen-Gesellschaft nicht verschont. Das Vereinsleben ruhte; die Mitglieder standen vorm Feinde und um Feste zu feiern war die Zeit zu ernst. Auch die Nachkriegszeit brachte dem Verein nicht viel Gutes. Die feindliche Besatzung verbot das Scharfschießen und den Bes113 jeglicher Schußwaffen. Alle Schützenbüchsen mußten der Besatzung abgeliefert werden. Daß dies von den Schützen nicht immer getan wurde und manche "Knarre" auseinandergenommen in einem stillen Winkel ein beschauliches

Dasein fristete, mag nur so nebenbei erwähnt sein. Die Besaf3ung hatte bald ein Einsehen. Das Schießen wurde wieder erlaubt, aber nur mit "Luftbüchsen". Doch hafte auch dieser Schießbudensport manches Gute für sich. Erst nach Abzug der Besatzung im 3ahre 1927 wurde von der deutschen Behörde das Scharfschießen wieder erlaubt und seitdem auch wieder eifrig gepflegt. Der alte Hochstand im Westhoverfeld, den die Kriegsjahre arg mitgenommen hatten, wurde wieder in Ordnung gebracht und seitdem knallen auch dort wieder die Büchsen und pfeifen die Kugel.

Um dem Verein nach außen hin ein festes Rückgrat zu schaffen, wurde er beim Amtsgericht Köln am 10. Februar 1926 in das Vereinsregister eingetragen. Da am 1. Januar 1927 die Sf. Hubertus Schüt3en-Gesellschaff Mitglied des Deutschen und Rheinischen Schützenbundes wurde, war die Errichtung eines Flachstandes ein Gebot der Notwendigkeit. Eifrigem Bemühen gelang es, von der Stadt Köln ein Stück Land hinter dem alten Polier Friedhof auf 10 Jahre zu pachten. Um die Unkosten zu bestreiten, wurde von der Sportabteilung der Stadt Köln dem Verein ein Darlehen von 3.000.- Mark auf die Dauer von 6 Jahren gewährt. Der neue Schießstand hat einen 50 m--Flachstand für Kleinkaliber und einen 25 m Flachstand für Schwerkaliber. Der Grundstein wurde am 20. 7. 1927 feierlich gelegt. Die Einweihungsfeierlichkeiten fanden am 21. 8. 1927 statt. Die Pläne für den Stand wurden von dem Schützenbruder Herrn Architekten Viktor Giorlani entworfen und durchgeführt.

Nun rüstet der Verein zur Feier des goldenen Jubelfestes. Leider ist von den Gründern der Gesellschaft niemand mehr da. Nur noch zwei starke Säulen, die der Gesellschaft in frohen wie in schweren Tagen tapfere Stützen waren und auf eine 46-jährige Zugehörigkeit zum Verein zurückblicken, können noch in voller Frische an diesem schönen Fest teilnehmen. Es sind dies die Herren Theodor Hackenbroch und Theodor Zimmermann. Die Gesellschaft hat diese beiden vorbildlichen Mitglieder schon vor einigen Jahren zu Ehrenmitglieder ernannt und damit einen lange gehegten Wunsch der Mitglieder erfüllt. Möge es diesen Veteranen vergönnt sein, ihr goldenes Vereinsjubiläum in voller Gesundheit zu feiern, wie wir alle der St. Hubertus-Schützen-Gesellschaft Köln-Poll ein weiteres Wachsen, Blühen und Gedeihen wünschen.

Quelle: Aus der Festschrift zum Jubeljahr 1927/28 / Foto: © Albert Ackermann

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