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Der Name Porz

Wappen der Stadt Porz

Lautgesetzlich gehen die Ortsnamen Porz und Pfortz zurück auf Port, nicht etwa auf die deutsche Furt oder das entsprechende keltische (p)ritum. Bei der hochdeutschen Lautverschiebung wurde das anlautende P zu Pf, so z. B. wurde aus dem lateinischen Palatium bei der Lautverschiebung „Pfalz", aus dem lateinischen Worte pondus wurde das hochdeutsche „Pfund". Aber je mehr die von Süden herkommende Lautverschiebung am Rhein nach Norden vordrang, umso mehr verlor sie an Kraft. In der Gegend von Köln setzte sich die Verschiebung von P zu Pf nicht mehr durch. Man sagt hierzulande „Appel", „Ponk", während man in südlicheren Gegenden, wo die Lautverschiebung durchgeführt wurde, diese Gegenstände als „Apfel" und „Pfund" bezeichnet. Diesen Analogien entspricht es, dass in der Pfalz Port zu „Pfortz" wurde, während man bei Köln das alte P in Porz beibehielt, wie in „Appel" und „Ponk".

Die Umwandlung des nachkonsonantischen t in tz bzw. z drang am Rhein weiter nach Norden vor, und zwar bis zur Benrather Linie (Benrath südlich von Düsseldorf). So machte denn Porz bei Köln diese Umwandlung mit. Wie aus dem alten Worte „herta" (altsächsisch herta, gotisch hairto) das hochdeutsche Wort „Herz" wurde, (in und bei Köln sagt man „Hezz"), so wurde aus Port entsprechend „Porz". Es ist derselbe Lautwandel, der das lateinische palatium umwandelte in Pfalz, Moguntia in Mainz, Confluentes in Koblenz. (Selbstverständlich wurde das t in den lateinischen Wörtern ursprünglich nicht wie z ausgesprochen, sondern wie t.)

Wenn die Entlehnung des althochdeutschen Wortes pforta aus dem lateinischen porta auch erst im 8. Jahrhundert stattgefunden hat, so ist damit nicht gesagt, dass die Römer selbst ihr Wort porta nicht auch für Ortsbezeichnungen gebraucht hätten. So z. B. wird Pforzheim auf Porta Hercyniae zurückgeführt: porta im Sinne von Zugang oder Eingang zum Gebirge.

Es entsteht nun die Frage: Geht der Ortsname Porz auf das lateinische portus (Hafen) oder porta (Zugang, Eingang, Tor) zurück? Falls das. Erstere richtig wäre:' Hatte portus im vorliegenden Falle, als es Ortsname wurde, noch die ursprüngliche Bedeutung „Hafen", oder eine spezifizierte, etwa „Fähre" oder „Furt"? Der romanische Dialekt am Rhein, der in so vielen Ortsnamen nicht bloß am Hauptstrom, sondern auch an dem Mose! und in der Eifel verewigt ist, machte aus portus im Laufe der Zeit port. Man denke an Piesport und Hatzenport. Aus Port wurde durch die hochdeutsche Lautverschiebung Porz. Aber auch das lateinische porta wurde zu Pforz (vgl. Pforzheim, aus porta Hercyniae).

Der Lautwandel gibt uns also keinen Anhaltspunkt, ob Porz von portus oder von porta herkommt. Beide Ableitungen sind sprachgesetzlich möglich. Es ist unangenehm, dass das Wort Port (Hafen) im Mittelhochdeutschen dazu noch Femininum war (die Forta), sich also nicht im geringsten unterschied von Porten (Eingang) (cf. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, unter „Port").

Vielleicht aber ist die Sache nicht allzu tragisch zu nehmen. Für unser Sprachgefühl stehen die Wörter „Hafen" und „Tor" unendlich weit voneinander. Tatsächlich haben sie eine vollständig verschiedene Etymologie. Anders aber verhält es sich mit den lateinischen Wörtern portus und porta. Sie sind nicht bloß im Klange ähnlich, sondern haben auch dieselbe Etymologie. Ihre Urbedeutung ergibt sich aus dem Vergleich mit dem griechischen Zeitwort peiro = ich durchdringe, ferner poros = Durchgang, porthmos = Überfahrt; deutsch Furt, nordisch Fjord. Sowohl portus wie porta haben also die Urbedeutung „Eingang, Durchgang, Ausgang", Porta ist ein Ein- oder Ausgang für Fußgänger, Reiter oder Fahrer; portus ist ein Ein- oder Ausgang für Schiffe. Wo porta von den Römern nicht von der Tür des Hauses, sondern als Ortsbezeichnung gebraucht wird, hat es die Bedeutung „Engpass, Eingang, Ausgang" (z. B. portae ciliciae, porta Hercyniae). Beiden Wörtern, portus und porta liegt also die Grundbedeutung eines Verkehrsdurchgangspunktes zugrunde: und es scheint, dass diese Grundbedeutung auch im Mittelalter noch so lebendig im Sprachgefühl war, dass man beiden Wörtern denselben Artikel gab, „der Port" (Hafen und auch Tor), so dass sie sich nunmehr nicht im Geringsten unterschieden.

Bei den Namen derjenigen Orte, die an einem Fluss liegen (Porz bei Köln, Pfortz in der Pfalz) würde man den Verkehrsdurchgangspunkt, wenn man ihn auf Hochdeutsch zu benennen hätte, als „Hafen" oder „Überfahrt" bezeichnen, lat. portus; bei solchen Orten, die am Eingang zu einem Tal liegen, (z. B. Portz im Mosel Gau) wäre er auf Hochdeutsch mit „Tor" zu übersetzen und von porta abzuleiten.

Pfarrer Dr. Koch, Hasenburg

Quelle: Porz, Die Junge Stadt am Rhein, 1951 / Die Stadt werdung von Porz

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