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Poll, das ehemalige Fischerdorf

Aalschokker auf dem Rhein Seit dem Mittelalter war Poll das bedeutendste Dorf im kurkölnischen Amt Deutz, das noch aus Vingst, Kalk, Rolshoven und Gremberg bestand. Auch dieser Ort gehörte wie die anderen seit alters her zur Deutzer Pfarre und wurde somit in der Urkunde über die Zehntschenkung aus dem Jahre 1003 genannt. Zusammen mit Deutz kam Pol! schon 1888, während der ersten Eingemeindungsphase, nach Köln. Zu diesem Zeitpunkt bildeten Poll zusammen mit dem Weiler Rolshoven eine eigenständige Landgemeinde.

Die besondere Lage am Rhein
Nach einer Volkssage soll die erste Ansiedlung in Poll auf ein Fischervölkchen zurückgehen, das aus den Mündungsgebieten des Rheins, also aus den heutigen Niederlanden, stammte. Der Überlieferung zufolge befand es die Stelle am rechten Rheinufer südlich von Deutz geeignet für die Ausübung seines Gewerbes, ließ sich hier nieder und erbaute ein Dorf.

Dieses blieb wegen der Nähe zum Strom an vielen Stellen sumpfig und wies einige Wassertümpel oder Pfuhle auf, die "Pähl" genannt wurden. Das könnte dem Dorf seinen Namen gegeben haben. Eine andere Erklärung geht auf das niederländische Wort "Polder" zurück, womit angeschwemmtes oder eingedeichtes Land bezeichnet wird.

Der Fischfang spielte für Poll bis in das 20. Jahrhundert hinein eine wichtige Rolle. Für den Rheinabschnitt, der von Poll bis zur Deutzer Pfarrkirche reichte, besaß seit dem Mittelalter das Kölner Erzstift die sogenannte Fischgerechtsame, das heißt, nur das Erzstift hatte das Recht, die Befugnis zum Fischen in diesem Teil des Stroms zu erteilen. Die damit beauftragten Poller Fischer waren verpflichtet, einen Teil ihres Ertrages als eine Art Pachtgebühr abzugeben.

Die Fischsaison begann im Frühjahr, wenn der weiße Wintersalm zum Laichen stromaufwärts zog, und endete im Oktober. Bekannt war vor allem der Poller Maifisch, die Alse, eine Heringsart, die im Mai zur Eiablage den Rhein hinaufschwamm. Darüber hinaus fing man Hechte, Karpfen, Zander und natürlich Aale. Mit Handkarren wurde ein großer Teil des Fangs dann nach Köln gebracht und verkauft. Die letzten Fischnachen und Aalschokker verschwanden in der Mitte des 20. Jahrhunderts aus dem Kölner Rheinabschnitt.

Rheinfischer flicken ihre Netze Doch nicht nur wegen des Fischfangs war die Lage Polls von Bedeutung. Von hier aus reichte ein alter Flußarm östlich von Deutz bis nach Mülheim, der sich bei Hochwasser füllte und das Hinterland großflächig überflutete. Im Mittelalter scheint sogar die Gefahr bestanden zu haben, daß sich der Rhein hier ein neues Flußbett suchen würde. Köln drohte, vom Strom abgeschnitten zu werden, was für die alte Handelsstadt verheerend gewesen wäre. Deshalb ließ der Rat der Stadt Köln das ungeschützte Ufer bei Poll, das zum Kurfürstentum Köln gehörte, dem weltlichen Herrschaftsbereich des Kölner Erzbischofs, auf eigene Kosten mit Dämmen befestigen.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts gestand der Kurfürst und Erzbischof Friedrich von Saarwerden der Großstadt Köln vertraglich zu, die vorhandenen Uferbefestigungen auszubauen. Köln nahm die zwei vor Poll liegenden Inseln Poller- und Osterwerth in Erbpacht und errichtete die "Poller Köpfe", Strombauten aus Basalt und Unkelsteinen, die den Flußlauf regulierten. Zum Schutz des Ufers durften entlang des Leinpfads bis an den Dorfrand von Poll Weidenpflanzungen angelegt werden.

Doch bald gab es zwischen dem Erzbischof als Schutzherrn des Erzstifts und dem Herzog von Berg auf der einen Seite und der Stadt Köln auf der anderen Streit um die Poller Köpfe. Als der Kölner Rat auf die Beschwerde, die Ausbauarbeiten hätten Schäden an Weiden und Leinpfad verursacht, nicht reagierte, ließ der Herzog 1479 kurzerhand große Teile der Anlage zerstören. Außerdem wurde der Pachtvertrag aufgehoben. Vielleicht war dies der Grund dafür, daß im Januar 1497 der Hochwasser führende Rhein bei Poll durchbrach und weite Flächen im Rechtsrheinischen überflutete.

1557 pachtete die Stadt Köln dann erneut das Poller- und Osterwerth gegen einen jährlichen Jahreszins von zwei Tonnen Heringen und baute die Poller Köpfe wieder auf. Für die Aufsicht über die Weidenpflanzungen wurde ein städtischer Weidenhüter angestellt, der auf dem Osterwerth sein Haus hatte. Da die Kosten für den Ausbau und die Instandhaltung sehr hoch waren, wurde den Bürgern vom Kölner Rat eine Sondersteuer auferlegt.

Der Kölner Ratsherr Hermann von Weinsberg hält in seinen Aufzeichnungen fest: "Anno 1582 den 23. August bin ich am Bayen(turm) gewesen und habe gesehen, wie das Haupt vom Pollerwert ein gutes Stück Weges auf das Osterwert gelängt war mit dicken Eichenhölzern, aber es waren noch nicht alle mit Eichenbohlen bekleidet, wiewohl große Arbeit daran geschah, es wird ein köstlich (kostspieliges) Kleinod für die Stadt Köln sein, damit der Rhein fest daran behalten werde".

1641 wurde dann die senkrechte Pfahlstellung durch ein steinernes Wehr ersetzt. Auch das Nutzungsrecht an den Weiden war zwischen den Gemeinden Poll, Deutz und dem Kurfürstentum immer wieder Anlaß um Streit. Bei dem schweren Eisgang auf dem Rhein im Jahre 1784 wurden schließlich die Poller Weiden fast vollständig zerstört.
Ein zweites Standbein
Wirbelsturm in Poll, im August 1898 Die umfangreichen Weiden- und Wiesenflächen rund um das kleine Dorf bedeutete für die Bewohner die Grundlage eines weiteren wirtschaftlichen Standbeins. So war die Viehhaltung und die Milchproduktion neben dem Fischfang der wichtigste Erwerbszweig. Bekannt waren in Köln bis um 1900 vor allem die Poller Milchmädchen, die in einer auffallend bunten Tracht die Erzeugnisse ihres Heimatortes auf den Märkten der nahegelegenen Stadt anboten. Ihnen zu Ehren wurde 1929 auf dem Efeuplatz ein Denkmal errichtet. Auch eine Wohnsiedlung wurde nach ihnen benannt: die Milchmädchensiedlung. 1779 tauchte erstmalig in den Urkunden eine Nachenfähre auf, die zur Beförderung der Milch, aber auch der Fische, auf die linke Rheinseite diente. Sie wurde von der Poller Dorfgemeinde unterhalten.

Einige größere Gutshöfe sind in Poll seit dem Mittelalter belegt. So hatte das Kölner Stift St. Maria im Kapitol umfangreichen Grundbesitz in Poll. In einer Urkunde von 1364 wird zum ersten Mal ein Stiftshof erwähnt, der über ein eigenes Hofgericht verfügte. Ihm stand ein Kanonikus des Stifts als Schultheiß vor. Zum Stiftshof gehörte auch das Recht auf die Rheinfischerei. Im 18. Jahrhundert war der Hof mit seinen Ländereien zeitweise im Besitz der Kölner Jesuiten; im 19. Jahrhundert wurden die Güter dann säkularisiert und gelangten in Privatbesitz. Ein weiterer Hof zu Poll war der Altbergerhof, dessen Ländereien teilweise auch auf Rolshover Gebiet lagen und der 1258 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Direkt daneben stand der Jungberghof, der sich im Eigentum des Klosters St. Maximin zu Köln befand und 1663 zum ersten Mal in den Urkunden auftaucht. Mit dem Kielshof hatte auch die Deutzer Abtei Besitz in Poll. Nach der ersten urkundlichen Erwähnung kam er 1539 in den Besitz der Abtei. Der Hof war nach der Pächterfamilie Kiel benannt, die den Hof im 16. und 17. Jahrhundert bewirtschaftete. 1861, einige Jahrzehnte nach der Säkularisation, gingen die Haus und Hofgebäude des Kielshofs von der Königlichen Domänenverwaltung an den neugegründeten Kirchenbauverein über und wurden abgerissen. Hier entstand in den Jahren 1862 bis 1864 mit der Kirche St. Joseph die erste Pfarrkirche Polls. Im Jahr der Fertigstellung wurde Poll als Rektoratsgemeinde von der Deutzer Pfarre St. Heribert getrennt, der der Ort seit dem Mittelalter angehört hatte. 1866 wurde Poll dann zur Pfarre erhoben.

Vermutlich auf das Jahr 1793 geht der Bau der ersten Polier Volksschule zurück. In diesem Jahr sollen die Bewohner den Beschluß gefaßt haben, ein Schulhaus zu errichten. Der Kölner Kurfürst stellte dem Ort zur Durchführung der Baumaßnahmen drei Stämme Eichenholz aus dem Königsforst unentgeltlich zur Verfügung. Da es noch keine Schulpflicht gab, kamen jedoch nur wenige Kinder zur Schule. Aus dem Jahre 1804 wird berichtet, daß nur sechs bis acht Schüler regelmäßig den Unterricht besuchten. Die Besoldung des einzigen Lehrers war sehr niedrig und unregelmäßig. Nach einer Schulverordnung, die während der französischen Besatzung erlassen wurde, umfaßte der Schulbezirk Poll auch Rolshoven und Vingst. Die Kinder sollten mit dem vollendeten 6. Lebensjahr für sechs Jahre zur Schule gehen. Von der Schulpflicht konnten sie befreit werden, wenn sie für dringliche Aufgaben zu Hause und auf dem Feld benötigt wurden. Die Eltern jedes Schülers mußten mit einem festen, monatlich zu zahlenden Betrag für das Lehrergehalt aufkommen. Da aber keine Maßnahmen gegen die Verletzung der Schulpflicht vorgesehen waren, stieg die Schülerzahl kaum. Erst als der Ort wuchs, erhöhten sich auch die Schülerzahlen merklich. So mußte im Jahre 1831 ein Lehrer 147 Schüler unterrichten. 1858 wurde deshalb eine zweite, 1875 eine dritte Klasse eingerichtet. 1893 erhielten 437 Schüler in sechs Klassen, nach Geschlechtern getrennt, Unterricht.

Von den rechtsrheinisch gelegenen Dörfern war Poll eines der bedeutenderen. 1663 zählte man 37 Häuser, 1739 waren es 46 und bis 1762 kamen nochmals sieben dazu. 269 Einwohner lebten hier im Jahre 1790, und schon vor Beginn der Industrialisierung wuchs der Ort langsam weiter, so daß in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts bereits über 700 Menschen in Poll ansässig waren. Der ländliche Charakter Polls blieb aber bis in das beginnende 20. Jahrhundert erhalten, zu einem Zeitpunkt als in Deutz und vor allem in Kalk schon längst große Industriezentren entstanden waren. Deshalb stellt sich die Bevölkerungsentwicklung in Poll.

Ein Wirbelsturm führte im Vergleich zum Beispiel mit Kalk auch wesentlich weniger dramatisch im August 1898 dar: 1875 hatte der Ort 1490 Einwohner, 1910 waren es 2755.
Die "Villa Roleshoven" und der Stadtteil Köln-Poll
Etwas nördlich von Poll lag Rolshoven, das aus einer Hofanlage und einer Ansammlung von Bauernhäusern bestand. Heute weisen noch die Reste des Rolshover Hofs und die Rolshover Straße auf diese kleine Ansiedlung hin, die im Laufe des 20. Jahrhunderts mit Poll zu einem Stadtteil verschmolz.

Als "Villa Roleshoven" wird es genau wie Poll im Jahre 1003 bei der Zehntschenkung zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Vermutlich bestand es aus einem Hof mit ausgedehnten Ländereien und einigen kleineren Bauernhäusern. Wahrscheinlich im 12. Jahrhundert ging der Hof von der Deutzer Abtei in den Besitz des Klosters St. Pantaleon zu Köln über. Es verfügte über ein eigenes Hofgericht. Das Gut hatte eine ansehnliche Größe und übertraf die der Poller Höfe um einiges. Zu ihm gehörte auch ein ausgedehnter Waldbestand, vermutlich ein Teil des benachbarten Königsforstes. Die Familie Rolshoven wird seit 1495 fast durchgehend als Pächter des Hofs genannt. Sie war es auch, die das bis heute bestehende Wegekreuz in der Nähe des Hofs 1737 errichten ließ. 1803 gelangte der Rolshover Hof im Zuge der Säkularisation in Staatsbesitz und wurde 1833 an einen Privatmann weiterverkauft.

1663 bestand die Siedlung einschließlich des Hofs aus fünf Häusern. Auch um 1800 konnte Rolshoven mit einem Hof und drei Bauernhäusern kaum als Dorf bezeichnet werden. Allerdings stellte es im ausgehenden 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts neben dem alten Fischerdorf Poll einen weiteren Siedlungsansatz für den 1888 eingemeindeten, sich vergrößernden Stadtteil Köln-Poll dar. Der Rolshover Hof wurde als einziger der Poller Höfe bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts landwirtschaftlich genutzt.
Ein Brückenkopf des rechtsrheinischen Köln
Poll und Rolshoven gehörten seit dem Mittelalter zum Amt Deutz, das wiederum bis 1803 ein Teil des kurkölnischen Territoriums war. 1816 nachdem die Preußen an die Stelle der Franzosen getreten waren, wurde punkt aus der Mairie Deutz die Bürgermeisterei Deutz, die nun dem neugebildeten Landkreis Köln angehörte. Mit der Stadtwerdung von 1856 wurde die Landbürgermeisterei Deutz, 1877 in Landbürgermeisterei Kalk umbenannt, ins Leben gerufen, die neben Poll mit Rolshoven noch aus den Gemeinden Vingst und Kalk bestand. Poll und Deutz waren dann schließlich die ersten rechtsrheinischen Ortschaften, die 1888 nach Köln eingemeindet wurden.

Damit begann die Ausdehnung der Domstadt auf das rechte Rheinufer. Poll und Rolshoven wuchsen allmählich zusammen. An die Stelle der alten Fachwerkhäuser traten zweistöckige Gebäude, die einem städtischen Stil entsprachen. Dann wurden für die Arbeiter der ersten Industriegebiete aus der näheren Umgebung Polls Wohnungen errichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg begann man mit dem Siedlungsbau außerhalb des Ortskerns im großen Stil. So entstanden zum Beispiel in der Nähe der Südbrücke die sogenannte "Rote Siedlung", benannt nach der politischen Ausrichtung ihrer Bewohner, und kurze Zeit später in unmittelbarer Nähe die "Schwarze Siedlung".

Karte von Poll und Rolshoven Schon vor der Eingemeindung war das Poller Rheinufer ein beliebter Ausflugsort für die Kölner. Ein großer Teil dieser Fläche fiel dann 1904 allerdings dem Bau des Deutzer Hafens zum Opfer. Die Stadt Köln hatte vorher das dazu benötigte Gelände zwangsenteignet. Im Zuge der Hafenarbeiten wurden auch die Reste der Polier Köpfe entfernt, die zu einer großen Gefahr für die Rheinschiffahrt geworden waren. Auf einem Teil des verbliebenen Ufergeländes vor Poll errichtete die Stadt 1908 Spiel- und Sportplätze. So entstanden hier 10 Tennisplätze, zwei Hockeyfelder und mehrere Rasenspielplätze. Die Tennisplätze konnten im Winter geflutet und als Eislaufbahn genutzt werden.

Die weitere Entwicklung von Köln-Poll im 20. Jahrhundert ist eng verknüpft mit der stetigen Ausdehnung der Stadt Köln auf der rechten Rheinseite. Die Stadtplanung ging in der ersten Hälfte des Jahrhunderts von zwei rechtsrheinischen Stadtkernen aus, dem Mülheimer und dem Deutz-Poller. Damit war ein allmähliches Zusammenwachsen von Poll und Deutz vorprogrammiert und auch gewollt.

Für die Industrialisierung war Poll zwar nicht so wichtig wie Kalk, doch als Randgebiet dieses Industriezentrums siedelten sich auch hier Unternehmen an und verdrängten mit der Zeit den dörflichen Charakter des Ortes. Vor allem Unternehmen für Werkzeugmaschinenbau ließen sich in Ufernähe zwischen Deutz und Poll nieder. 1927 eröffnete sogar der französische Automobilhersteller Citroen ein Werk in Poll, das aber die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre nicht überstand. Im Zuge des weiteren Ausbaus im östlichen Stadtgebiet und des Siedlungsbaus im selben Jahrzehnt entstand hier auch eine Wohnsiedlung: Am Altenberger Kreuz. Der Stadtteil Poll entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg weiter zu einem gemischten Wohn- und Gewerbegebiet.

Quelle: ?? * gefunden im Archiv des Bürgerverein Köln Poll e. V.

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