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Dämme zur Regulierung der Fluten wurden schon im 12. Jahrhundert errichtet

1739 standen 46 Häuser in Poll

… und oftmals gab es Streit um die "Poller Köpfe" im Deich

Dumpf rollet der Sturm und dränget mit Wut
Durch Felder und Auen des Hochwassers Flut.
Wild brauset und tobet er dort um ein Haus,
Das weit raget vom Land aus den Wogen heraus ...

Kribben

So beginnt das Gedicht eines Poller Bürgers, mit dem die Heldentat eines alten Fischers beim großen Hochwasser des Jahres 1882 gefeiert wird. Das Wasser stand damals bis zur Hauptstraße; dem Fischer gelang es, eine Familie aus einem völlig umspülten Haus vor den Fluten zu retten. Dies ist eine von vielen Episoden des jahrhundertelangen Kampfes der Poller Bürger gegen den Strom.

Die Fischer, erste Ansiedler der "Villa Polla" vor rund neunhundert Jahren, gewannen dem Rhein nicht nur ihren Lebensunterhalt ab. Sie hatten auch oft genug Ärger mit den Wassermassen, wenn diese sich landeinwärts wälzten und der Strom immer wieder versuchte, sich ein neues Bett zwischen Poll und Mülheim zu suchen. Wäre es ihm damals gelungen, der Dom stünde heute wohl nicht am Rhein, und der Stadtteil Deutz, liebevoll "Schäl Sick" geschimpft, läge jetzt im Linksrheinischen!

Doch schon im zwölften Jahrhundert begann man mit Unterstützung des Magistrates der Stadt Köln mit dem Bau von Dämmen und Regulierungsbauten, um den Fluß in seinem Bett zu halten. Sie wurden "Poller Köpfe" genannt, wie die Chronik von Lehrer Peter Simons von 1924 und die Broschüre "Unser Heimatort Poll im Wandel der Zeiten" von Rektor Josef Großgarten berichten.

Diese "Köpfe" bestanden aus drei größeren und zwei kleineren Werken, welche jedoch nicht wie die heutigen Kribben rechtwinklig zur Stromlinie eingebaut waren, sondern sich am Ufer hinzogen; die größeren hießen der "Poller", der "Mittlere" und der "Lange Kopf", von dem heute noch Reste etwa dreihundert Meter von der Südbrücke stromaufwärts vorhanden sind.

Mächtige, in die Erde gerammte Eichenstämme haben die Außenwände dieser drei bis vier Meter breiten Dämme gebildet. Der Zwischenraum war mit schweren Basaltsteinblöcken ausgefüllt. Die Wellen kannten sich daran brechen.

Doch noch wurden die "Poller Köpfe" oft durch die Gewalt des Stromes zerstört oder schwer beschädigt. Erst im Jahre 1400 konnten die Dämme bedeutend verstärkt werden, als Poll in einem Vertrag mit dem Kurfürsten und Erzbischof von Köln, Friedrich von Saarwerden, die Erlaubnis erhielt, auf eigene Kosten mit den Schutzbauten fortzufahren.

Großen Ärger gab es aber plötzlich, als das Poller Ufer vom Kurfürsten in Erbpacht genommen wurde und die Köpfe wieder verstärkt werden sollten. Sowohl der Kurfürst als auch der Herzog von Berg waren damit nicht einverstanden, weil Schäden am Leinpfad befürchtet wurden, und protestierten bei den Kölner Zünften vergebens. Zur Sicherung der Bedeutung Kölns als Handelsstadt am Strom wollte der Rat der Stadt lieber den Zorn der mächtigen Nachbarn in Kauf nehmen.

Die Reaktion durch einen "Trupp bewaffneter Männer" war grob: "In einem Befundprotokoll vom 11. respektive 14. Dezember 1479 heißt es, daß an dem obersten "Haupt" (Poller Kopf) die Pfosten und Eichenplanken aus der Erde gezogen und verbrannt und die zwei Schlagtüren, wodurch der Leinpfad ging, von der Stelle geschleppt worden seien; auch die übrigen Häupter seien gänzlich demoliert. Infolgedessen brach der Rhein bei Poll durch und ergoss sich weit ins Bergische Land hinein." So schildert die Chronik die mutwilligen Zerstörungen.

Später kam es auch häufig zum Streit zwischen der Stadt Köln und der Gemeinde Poll sowie der Abtei Deutz um die Gras- und Holznutzung auf den "Werten". So heißt es im Bericht eines Amtsmanns an den Kölner Rat von 1739, daß "die kleine Gemeinde zu Poll unter sich in partes equales (zu gleichen Teilen) die dasige graserey abgetheilet, ungefähr auf jegliches Haus einen halben morgen, zusammen 23 morgen ungefähr, weilen die Gemeinde in 46 Häusern bestehet".

Dennoch, die ursprünglichen Holzbauten waren auf die Dauer kein ausreichender Schutz gegen den Strom und wurden später durch eine Wehr aus aufgeschütteten Basaltsteinen ersetzt. 1794 schließlich begann man mit dem Bau neuer Kribben, dass in der Form seiner Anlage bis zum heutigen Tag geblieben ist.

Kribben
Eine Kribbe auch als Buhne, Stack,[ Höft, , Schlenge bezeichnet, ist ein rechtwinklig zum Strandverlauf in ein Meer vorgebauter oder vom Ufer zur Flussmitte hin errichteter Damm, der dem Küstenschutz oder dem Flußbau dient.

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